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Das Angeln mit der Centrepinrolle

  • Autorenbild: Peter Schapitz
    Peter Schapitz
  • 24. März 2025
  • 29 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 17 Stunden

Der ausführliche Leitfaden zu Rolle, Rute, Trotting, Rollblei, Futterspur und modernen Einsatzmöglichkeiten.


Eine Spule, eine Achse und eine Hand, die entscheidet, wie viel Schnur der Fisch bekommt. Mehr braucht eine Centrepinrolle im Kern nicht.


Das klingt beinahe zu einfach für eine Zeit, in der Angelrollen mit immer mehr Lagern, fein abgestuften Bremssystemen und technischen Superlativen beworben werden. Moderne Stationärrollen funktionieren hervorragend. Sie werfen weit, verlegen Schnur sauber und nehmen dem Angler einen erheblichen Teil der Arbeit ab.

Ich nutze solche Rollen selbst und möchte ihren Fortschritt keinesfalls kleinreden.


Trotzdem hat die Centrepin etwas geschafft, was deutlich komplizierter aufgebautes Gerät bei mir nur selten erreicht: Sie hat mein Angeln verändert!


Nicht aus Nostalgie. Nicht, weil früher angeblich alles besser war. Auch nicht, weil eine einfache Rolle automatisch einen besseren Angler aus mir machen würde. Die Centrepin zwingt mich lediglich dazu, genauer zu arbeiten. Die Schnur läuft nicht geführt über ein unterstützendes Getriebe und kein automatisch arbeitendes Bremssystem entscheidet darüber, wann ein Fisch Druck bekommt.

Jede Drift, jede Korrektur und jeder Meter Schnur im Drill entsteht unmittelbar über meine Hand. Genau darin liegt ihr Reiz.


Was ursprünglich als klassische Rolle für das kontrollierte Posenangeln an Fließgewässern bekannt wurde, begleitet mich inzwischen durch einen großen Teil meiner Friedfischangelei. Ich fische mit der Centrepin auf Barben, Döbel, Nasen, Zährten, Forellen, Schleien und Brassen. Selbst im modernen Karpfenangeln ist sie längst kein kurzfristiges Experiment mehr. Sie liegt auf dem Rodpod, arbeitet mit Selbsthakmontagen und wird zusammen mit einem GPS gestützten Futterboot eingesetzt.


Das sieht für manche vermutlich aus, als hätte sich eine Fliegenrolle an den falschen Angelplatz verirrt. Die dazugehörigen Kommentare sind inzwischen fast schon Teil des Erlebnisses. Doch eine Centrepin ist keine Fliegenrolle. Sie ist auch kein historisches Dekorationsstück, das nur bei englischem Wetter und mit Wollmütze funktioniert.

Richtig eingesetzt ist sie ein hochfunktionales Werkzeug, dessen Grundprinzip über viele Jahrzehnte kaum verändert werden musste.


Dieser Artikel soll deshalb deutlich weitergehen als eine einfache Einführung.

Es geht um Geschichte und Bauformen, um die passende Rute, um Trotting und Rollblei, um Futterspuren, Schnurwahl, Wurftechniken, Zielfische, Rollentuning und die Frage, warum die Centrepin keinesfalls am Flussufer enden muss.


Vor allem geht es aber um eine Erkenntnis:

Einfaches Gerät verlangt nicht weniger Verständnis. Es legt nur deutlicher offen, ob dieses Verständnis vorhanden ist.


Rutenbau Centrepin Angeln
Modernes Gerät bei der Jagd auf Barbe

Was ist eine Centrepinrolle?

Die Centrepinrolle gehört zu den einfachsten Rollenbauarten, die heute noch aktiv eingesetzt werden. Eine große Spule dreht sich um eine mittig angeordnete Achse. Zwischen Kurbelknauf und Spule gibt es keine Übersetzung. Dreht sich die Spule einmal, bewegen sich auch die Griffe einmal um die Achse. Der Angler arbeitet damit direkt auf dem Schnurspeicher.


Die meisten Modelle besitzen keine klassische Kampfbremse, wie man sie von Stationärrollen kennt. Häufig ist lediglich eine Ratsche eingebaut. Diese verhindert, dass sich die Spule beim Transport oder beim Ablegen der Rute unkontrolliert dreht. Je nach Konstruktion erzeugt sie außerdem einen gewissen Widerstand, wenn ein Fisch Schnur nimmt. Ihre Hauptaufgabe ist jedoch nicht das fein abgestufte Bremsen während des Drills.


Der Druck entsteht über die Finger, den Daumen oder die Handfläche. Lege ich den Daumen leicht an den Spulenrand, wird die Schnurabgabe gebremst. Erhöhe ich den Druck, steigt der Widerstand. Nehme ich die Hand weg, kann die Spule nahezu frei laufen. Damit wird die Rolle zu einem sehr direkten Übersetzer zwischen Fisch und Angler. Jede Beschleunigung kommt an der Hand an. Gleichzeitig wird auch jeder eigene Fehler weitergegeben. Ein zu abrupter Griff an die Spule, ein falscher Rutenwinkel oder zu viel Druck auf eine feine Schnur lassen sich nicht hinter einem sauber arbeitenden Bremspaket verstecken.


Die Centrepin produziert zudem keinen konstruktionsbedingten Schnurdrall durch einen Schnurfangbügel, der die Schnur bei jeder Kurbelumdrehung um eine feststehende Spule legt. Vollständig ausgeschlossen ist Schnurdrall trotzdem nicht.

Ein rotierender Köder, ein verdrehtes Vorfach oder eine schlechte Montage können auch auf einer Centrepin für verdrallte Schnur sorgen. Der durch die Rollenbauart entstehende Drall fällt jedoch weitgehend weg. Einzige Ausnahme ist die Centrepin in ihrer Form als Wenderolle.


Die Schnur verlässt die Spule geradlinig in Richtung des ersten Rings. Das ist beim Trotting besonders wertvoll, weil schon sehr wenig Zug ausreicht, um die Spule in Bewegung zu setzen. Eine richtig eingestellte Rolle kann von einer vergleichsweise leichten Pose angetrieben werden und gibt die Schnur gleichmäßig frei.

Ein weiterer Unterschied zur Stationärrolle zeigt sich beim Einholen. Es gibt keinen automatischen Spulenhub und keine Kreuzwicklung. Die Schnur muss mit den Fingern auf der Spule verteilt werden. Das klingt zunächst umständlich, wird mit etwas Übung aber zum Automatismus. Dazu später mehr.


Centrepin Angeln auf Barbe
Eine alte Greys Bewick im Einsatz auf Barbenjagd

Die Geschichte der Centrepinrolle in England

Die Centrepin ist eng mit der englischen Friedfischtradition und besonders mit der Region Nottingham verbunden. Dort entwickelte sich eine Form des Flussangelns, bei der der Köder kontrolliert mit der Strömung geführt wurde. Die Rolle musste dafür möglichst leicht anlaufen und Schnur gleichmäßig freigeben.


Nach historischen Darstellungen entwarf Samuel Lowkes um 1850 im Nottinghamer Stadtteil Sneinton eine einfache Holzrolle. Aus solchen regional gefertigten Nottingham Rollen entwickelte sich später die Centrepin. Fachhistorisch sollte man beide Begriffe allerdings nicht vollständig gleichsetzen. Frühe Nottingham Rollen besaßen häufig eine mit einer Messingmutter befestigte Spule. In den frühen 1880er Jahren erschienen Bauformen mit einer zentralen, gefederten Entriegelung, die stärker dem entsprachen, was heute als Centrepin bezeichnet wird. Das Entscheidende war jedoch weniger die Bezeichnung als die Art des Angelns, die bis heute weiterlebt.


Die damaligen Rollen bestanden häufig aus Holz, später aus Metall und anderen Werkstoffen. Viele Modelle wirkten auf den ersten Blick schlicht, boten ihren Erbauern aber viel Raum für individuelle Lösungen. Genau dieser handwerkliche Charakter ist bis heute erhalten geblieben. Selbst moderne, CNC gefräste Rollen sind oft keine gesichtslosen Massenprodukte, sondern Werkzeuge mit einer eigenen Handschrift.

Die Centrepin war ursprünglich kein nostalgisches Liebhaberstück. Sie war eine funktionale Antwort auf eine konkrete Aufgabe. Angler wollten eine Pose über längere Strecken im Fluss führen, Schnur kontrolliert freigeben und nach einem Biss unmittelbar mit der Hand auf die Spule zugreifen können.


Mit der Verbreitung moderner Stationärrollen verlor die Centrepin in vielen Bereichen an Bedeutung. Die Stationärrolle war komfortabler, ermöglichte größere Wurfweiten und verlangte weniger Übung bei der Schnurabgabe. Das machte sie jedoch nicht automatisch zur besseren Lösung für jede Situation.


Beim kontrollierten Abtreiben eines Köders besitzt die Centrepin weiterhin Eigenschaften, die sich mit einer Stationärrolle nur schwer vollständig nachbilden lassen. Die Spule läuft mit dem Zug der Pose. Die Schnur wird nicht in losen Ringen von einer feststehenden Spule gezogen, sondern direkt und dosierbar freigegeben.

Der Angler bleibt während der gesamten Drift mit der Rolle verbunden.

Genau deshalb hat sich die Methode gehalten.


Mein Pin Club greift diese Tradition nicht auf, um eine vergangene Zeit nachzuspielen.

Er nutzt sie als Fundament. Tradition zeigt uns, dass viele vermeintlich neue Probleme bereits mit erstaunlich einfachen Mitteln gelöst wurden.


Die passende Pin Club Regel lautet deshalb:

Tradition ist Inspiration, kein Dogma.
Centrepin Rollen von Neu nach Alt
Einige Stücke aus meiner Sammlung

Welche Centrepinrolle passt zu welcher Angelmethode?

Centrepinrollen sehen sich auf den ersten Blick ähnlich, können sich technisch aber deutlich unterscheiden. Der Preis allein sagt dabei wenig darüber aus, welche Rolle für die eigene Angelei tatsächlich geeignet ist.


Die klassische echte Centrepin auf einer Achse

Bei einer klassischen Pin Konstruktion läuft die Spule unmittelbar auf einer fein abgestimmten Achse. Je nach Bauart liegt der Kontakt nur an einer sehr kleinen Fläche an. Eine sauber eingestellte Rolle kann dadurch hervorragend anlaufen und besitzt einen charakteristischen, sehr freien Lauf.


Diese Rollen reagieren allerdings empfindlicher auf Verschmutzung, falsches Öl und eine ungenaue Einstellung. Schon ein kleiner Grat, eingedrungener Sand oder zu zähes Schmiermittel kann die Laufeigenschaften verändern. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine mechanisch sehr direkte Rolle mit einer besonderen Rückmeldung.


Centrepinrollen mit Kugellagern

Viele moderne Modelle verwenden ein oder zwei Kugellager. Sie laufen zuverlässig, sind vergleichsweise pflegeleicht und behalten ihre Eigenschaften auch unter höherer Belastung. Zwei weit auseinanderliegende Lager können die Spule gut auf der Achse stabilisieren und verhindern, dass sie unter Druck zu eiern beginnt.


Eine sehr frei laufende Kugellagerrolle ist beim Trotting angenehm, kann bei starkem Wind oder beim Ansitzangeln aber auch zu frei sein. Ein kurzer Schnurzug reicht dann unter Umständen aus, um die Spule stark zu beschleunigen. Das Resultat? Die Schnurüberschlägt sich und im schlimmsten Fall ist der Fisch samt Montage weg. Genau deshalb habe ich bei einigen Rollen die Ratsche verändert und den anfänglichen Widerstand an meine Angelart angepasst.


Centrepinrollen mit Gleitlager oder Buchse

Einfachere Rollen und viele historische Modelle laufen auf Buchsen oder Gleitflächen. Sie erreichen häufig nicht die extreme Leichtgängigkeit moderner Lagerrollen.

Dieser Widerstand muss jedoch nicht automatisch ein Nachteil sein.

Bei meiner alten Vollholzrolle führte die leicht verzögerte Schnurabgabe dazu, dass ich während der Drift weniger mit dem Daumen bremsen musste. Die Rolle gab genügend Schnur frei, verhinderte aber gleichzeitig, dass die Pose unkontrolliert vorauslief.

Ein vermeintlicher technischer Nachteil kann sich in einer bestimmten Situation also als passende Eigenschaft herausstellen. Wie man den Zeilen entnehmen kann, kommt die Holzrolle bei mir auch immer noch zum Einsatz.


Wenderollen für größere Wurfweiten

Einige Centrepinrollen lassen sich um etwa neunzig Grad drehen. Die Schnur kann dadurch seitlich von der Spule ablaufen, ähnlich wie bei einer Stationärrolle.

Historisch wurden solche drehbaren Rollenfüße bereits genutzt, um die Reichweiten einer rotierenden Trommelrolle zu erweitern.


Mit einer solchen Wenderolle sind mittlere Distanzen durchaus möglich. In meiner Angelei liegen kontrollierbare Würfe je nach Montage bei bis zu ungefähr sechzig Metern. Das setzt Übung, eine passende Spulenfüllung und ausreichend Platz voraus.

Es ersetzt keine Big Pit Rolle für dauerhaftes Angeln auf extreme Distanz, erweitert den Einsatzbereich aber erheblich.


Centrepin Wenderolle
Moderne Wenderolle importiert aus Glasgow

Die Ratsche ist keine klassische Bremse

Bei der Auswahl sollte darauf geachtet werden, wie kräftig die Ratsche arbeitet.

Eine sehr leichte Ratsche genügt für das Trotting und den Transport. Beim Ansitzangeln kann sie jedoch zu schwach sein. Ein schneller Karpfen beschleunigt die Spule dann so stark, dass Schnur überschlägt und eine Perücke entsteht.

Für meine Karpfenrollen verwende ich deshalb angepasste Metallfedern beziehungsweise Litzen, die einen höheren Anfangswiderstand erzeugen.

Die Rolle gibt Schnur frei, aber nicht vollkommen unkontrolliert.

Welche Bauform die beste ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine extrem leicht laufende Rolle ist für feine Posen und ruhige Driften hervorragend. Beim Rollblei, Karpfenangeln oder Hook and Hold können andere Eigenschaften wichtiger werden.

Die Rolle muss zum Stil passen und nicht andersherum.


Verschiedene Centrepin Rollen
Auch alte Rollen können heute noch liefern


Die richtige Centrepinrute für Fluss und Stillwasser

Traditionell werden zum Trotting lange Ruten verwendet. Zwölf bis vierzehn Fuß geben dem Angler genügend Reichweite, um Schnurbögen zu kontrollieren, die Pose sauber zu führen und einen Fisch von der Strömung wegzulenken.


Für meine Flussangelei haben sich dreizehn Fuß als sehr stimmig erwiesen. Beim Waten erreiche ich damit nahezu alle Bereiche, die ich sinnvoll befischen kann.

Kürzere Ruten wären bei der Landung etwas komfortabler, verlieren aber genau dort Länge, wo sie während der Drift gebraucht wird.


Eine lange Rute ermöglicht es, mehr Schnur von der Wasseroberfläche fernzuhalten.

Je weniger Schnur von unterschiedlichen Oberflächenströmungen erfasst wird, desto sauberer lässt sich die Pose kontrollieren. Besonders bei Seitenwind, Kehrströmungen und wechselnden Fließgeschwindigkeiten ist diese Reserve wertvoll.


Im gesamten Markt gibt es nur wenige Ruten, die ausdrücklich für die Centrepin ausgewiesen werden. Grundsätzlich kann die Rolle an vielen Matchruten, Floatruten und leichten Barbenruten eingesetzt werden. Entscheidend ist nicht der Aufdruck auf dem Blank, sondern die Aktion und die Beringung.


Eine passende Centrepinrute sollte meiner Meinung nach mehrere Eigenschaften miteinander verbinden. Die Spitze muss fein genug sein, um leichte Montagen zu führen und Bisse nicht unnötig hart zu quittieren. Der mittlere Bereich sollte Kopfstöße abfangen. Im unteren Drittel braucht die Rute genügend Kraft, um eine Barbe aus der Hauptströmung oder einen Karpfen aus einem kritischen Winkel zu führen.



Meine selbstgebaute Centrepinrute

Inzwischen baue ich alle meine Angelruten selbst. Dadurch konnte ich die Centrepinrute nicht nur an eine allgemeine Methode, sondern an meine tatsächlichen Gewässer anpassen.


Was mit verschiedenen Prototypen begann, entwickelte sich zu einer dreizehn Fuß langen Allroundrute für das Driftangeln im Fluss. Sie kann sowohl mit Pose als auch mit Rollblei eingesetzt werden und besitzt eine extrem stark parabolische, aber kontrollierbare Aktion.


Insgesamt fünfzehn Laufringe verteilen die Belastung gleichmäßig über den Blank.

Die Schnur bleibt auch unter starker Biegung nah an der Rute und bildet keine großen Winkel zwischen den Ringen. Das schützt feine Hauptschnüre und nutzt die gesamte Aktion des Blanks.


Das Handteil wurde bewusst kürzer gehalten. Dadurch steht trotz der dreizehn Fuß langen Konstruktion mehr nutzbare Länge vor der Hand zur Verfügung. Das Handling nähert sich damit einer traditionellen längeren Floatrute an, ohne dass die gesamte Rute unnötig schwer wird.


Moderne Komponenten reduzieren das Gewicht erheblich. Eine Centrepinrute wird beim aktiven Angeln stundenlang in der Hand gehalten. Schon wenige zusätzliche Gramm an der falschen Stelle machen sich über einen langen Tag bemerkbar. Besonders wichtig ist deshalb nicht nur das Gesamtgewicht, sondern die Balance.

Eine sehr leichte Rute mit kopflastigem Aufbau kann unangenehmer sein als ein etwas schwereres, sauber ausbalanciertes Modell.


Die moderne Rute erfindet das Centrepinangeln nicht neu. Sie macht es präziser, leichter und erlaubt den sicheren Einsatz feinerer Schnüre. Genau darin liegt der Fortschritt.


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Trotting mit der Centrepin richtig verstehen

Das Trotting ist das Fundament der klassischen Centrepinangelei. Eine Pose wird mit der Strömung geführt, während der Hakenköder möglichst natürlich durch die gewählte Wasserschicht läuft.


So einfach die Beschreibung klingt, so viele Fehler sind möglich.

Eine Pose wird nicht lediglich eingeworfen und anschließend sich selbst überlassen.

Der Angler muss verstehen, dass die Strömung innerhalb der Wassersäule nicht überall gleich schnell ist. An der Oberfläche kann das Wasser deutlich schneller fließen als unmittelbar über dem Grund. Steine, Vertiefungen, Pflanzen und Uferformen erzeugen zusätzlich lokale Abweichungen.


Befindet sich die Pose in einer schnellen Oberflächenströmung, während der Köder tiefer in langsamerem Wasser läuft, zieht die Pose den Hakenköder voraus.

Die Präsentation wirkt unnatürlich. Der Köder hebt sich an, rotiert oder läuft schneller als die Nahrung, die sich in derselben Tiefe bewegt.


Genau hier beginnt die Arbeit mit der Centrepin.

Durch leichten Druck auf die Spule wird die Pose verzögert. Der Köder kann dadurch aufschließen, absinken oder für einen kurzen Moment vor der Pose laufen. Nimmt man den Druck wieder weg, setzt sich die Drift fort.


Dieses kontrollierte Verzögern wird als Holding Back bezeichnet. Es kann einen großen Unterschied machen. Manche Fische reagieren auf einen kurzen Stopp, weil der Köder vom Grund angehoben wird und anschließend wieder absinkt. Andere bevorzugen eine möglichst gleichmäßige Drift ohne auffällige Beschleunigung.

Der passende Rhythmus ergibt sich aus Tiefe, Strömung und Zielfisch.


Schnurbögen beim Centrepin Trotting korrigieren

Auch bei einer perfekt laufenden Rolle kann die Schnur einen Bogen bilden.

Seitenwind, Kehrströmungen oder schnellere Oberflächenbereiche ziehen die Schnur aus der direkten Verbindung zur Pose.

Mit der langen Rute kann dieser Bogen angehoben und neu abgelegt werden.

Im englischen Sprachraum wird diese Korrektur häufig als Mending bezeichnet. Entscheidend ist, die Pose dabei nicht aus ihrer Spur zu reißen.

Eine kleine Bewegung genügt. Die Rute wird angehoben, der Schnurbogen versetzt und anschließend wieder kontrolliert abgesenkt. Wer zu hektisch arbeitet, bewegt die Pose und damit den Köder unnatürlich.


Centrepin Trotting in Kehrwasser und Rauschen

In einer gleichmäßigen Rinne lässt sich die Drift relativ schnell verstehen. Spannender wird es dort, wo das Wasser arbeitet.


Kehrwasser bringt Nahrung in kreisenden Bewegungen zurück. Eine Pose kann an der Grenze zwischen Hauptstrom und Rückströmung plötzlich stehenbleiben, beschleunigen oder seitlich versetzt werden. Genau dort stehen häufig Döbel, Forellen oder andere Fische, weil sie mit wenig Energie an Nahrung gelangen.


Rauschen und stark gebrochene Wasserflächen verlangen wiederum nach stabileren Posen. Eine zu schlanke Pose wird vom Oberflächendruck heruntergedrückt, kippt oder verschwindet permanent zwischen Wellen. Die Bissanzeige wird dadurch unbrauchbar.


Für solche Bereiche habe ich eigene Posen entwickelt. Nicht nur der alten Optik wegen, sondern weil viele verfügbare Modelle meine Anforderungen nicht erfüllten.

Meine sogenannten Dickköpfe besitzen gut sichtbare Oberteile, ausreichend Auftrieb und eine Form, die sich auch in turbulentem Wasser führen lässt.

Gleichzeitig ermöglichen sie einen anderen Schnurwinkel als eine klassische schlanke Stickpose.


Der Einstieg sollte trotzdem an einem gleichmäßig fließenden Abschnitt erfolgen.

Dort lernt man, Rolle, Pose und Schnur miteinander in Einklang zu bringen.

Ist dieser Groschen einmal gefallen, entsteht ein Automatismus.

Ab dann macht es einen Heidenspaß.


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Mit der Centrepin und dem Rollblei aktiv angeln

Nicht jeder interessante Flussbereich lässt sich sinnvoll mit einer Pose befischen.

Stark wechselnde Tiefen, unruhiger Grund oder schnelle Übergänge können dazu führen, dass eine fest eingestellte Posenmontage nur einen kleinen Teil der Drift sauber arbeitet.


Genau dort kommt das Rollblei ins Spiel.

Dabei wird kein schweres Sargblei in die Flussmitte geworfen und anschließend gewartet, ob sich etwas selbst hakt. Die Montage soll sich bewegen. Runde Lochbleie und Klemmschrote werden so abgestimmt, dass sie den Köder am Grund halten, aber weiterhin von der Strömung versetzt werden können.

Das Bleigewicht muss sehr genau zum Fließdruck passen. Schon eine Veränderung um ein halbes Gramm kann aus einer kontrollierten Drift eine festliegende Montage oder ein unbrauchbar schnell rollendes System machen.


Der große Vorteil liegt in der Anpassungsfähigkeit. Unterschiedliche Wassertiefen verlieren einen Teil ihres Schreckens, weil der Köder nicht über eine fest eingestellte Pose an eine bestimmte Tiefe gebunden ist. Er bleibt in Grundnähe und kann durch Rinnen, Vertiefungen und Übergänge geführt werden.


Auch wechselnde Strömungsgeschwindigkeiten lassen sich besser bewältigen. Die Rute bleibt dabei in der Hand. Über Schnurspannung, Blank und Finger wird wahrgenommen, ob das Blei rollt, kurz liegt, über einen Stein springt oder sich festsetzt.


Das Angeln mit dem Rollblei
Mehr ist es nicht beim Angeln mit dem Rollblei

Hänger beim Rollbleiangeln mit der Centrepin lösen

Meine ersten Versuche waren alles andere als elegant. Ein Hänger jagte den nächsten. Neu anbinden, erneut abtreiben, wieder fest.


Die Lösung bestand nicht in einer geheimen Montage, sondern in einer feineren Rute, einem genauer abgestimmten Gewicht und deutlich mehr Gefühl für die Strömung.

Trotzdem bleiben steinige Flüsse und Packlagen hängerträchtig. Einige Methoden helfen aber dabei, eine festgesetzte Montage zu lösen.


Zunächst kann ein Schnurbogen flussabwärts gegeben werden. Der Druck kommt dadurch aus einer anderen Richtung und löst das Gewicht mitunter aus dem Spalt.

Hilft das nicht, verändert man die Position am Ufer und damit den Zugwinkel.

Meine Montage ist außerdem so aufgebaut, dass Lochblei und Klemmschrote bei entsprechendem Zug bis in Richtung Haken rutschen können. Dadurch entsteht weniger Hebelwirkung zwischen festgesetztem Gewicht und Haken. Einen großen Teil meiner inzwischen seltenen Hänger kann ich so lösen.


In klarem und nicht zu schnellem Wasser können anstelle des Bleis auch schwere Glasperlen aus dem Forellenbereich eingesetzt werden. Sie bieten weniger Gewicht und eine andere optische Wirkung. Besonders bei vorsichtigen Döbeln kann diese dezente Präsentation interessant sein.


Das Rollblei ist inzwischen meine bevorzugte Methode an schnell fließenden Gewässern. Keine andere aktive Montage hat mir eine vergleichbare Vielfalt an Fischarten gebracht. Barben stehen dabei klar im Vordergrund, aber auch Forellen, Döbel und andere Friedfische lassen sich damit gezielt überlisten.

Nicht nur die Fliegenrute kann zaubern.


Flussangeln mit der Centrepin
Ein Eldorado für das Rollblei

Oberflächenangeln mit der Centrepin

Die Centrepin funktioniert nicht nur am Grund oder unter einer Pose.

Auch an der Oberfläche lässt sich Nahrung kontrolliert abtreiben.

Das klassische Schwimmbrot gehört zu meinen liebsten Ködern auf Döbel und Karpfen. Toastbrot eignet sich besonders gut, weil es sich leicht formen lässt. Locker auf den Haken gesetzt schwimmt es an der Oberfläche. Etwas stärker geknetet kann die Flocke langsam einsinken und knapp unter der Wasseroberfläche angeboten werden.


Gerade vorsichtige Döbel verlieren häufig einen Teil ihrer Hemmung, wenn der Köder nicht starr an der Oberfläche liegt. Eine Brotflocke, die wenige Zentimeter unter der Oberfläche in der Strömung treibt, wirkt deutlich natürlicher.

Auch Grashüpfer, Insekten und andere natürliche Köder können so geführt werden.


Aus meiner Kindheit ist mir eine weitere Variante geblieben. Im Sommer pflückte ich an der Lahn Süßkirschen direkt vom Baum und ließ sie in den Rauschen auf dicke Döbel abtreiben. Unterhalb eines Wehres oder an einer Stelle mit regelmäßig eingetragener Nahrung kann ein solcher Köder erstaunlich effektiv sein.


Die Centrepin bietet dabei dieselbe Kontrolle wie beim Trotting. Die Schnur wird passend zur Strömung freigegeben, ohne dass sie den Köder aus seiner natürlichen Bahn zieht.


Mit der Brotflocke und der Centrepin Angeln
Pin, Toast und etwas Liquid

Centrepin angeln trotz Watverbot

Die Centrepin spielt ihre größten Vorteile aus, wenn ich mich so im Fluss positionieren kann, dass die Driftlinie direkt erreichbar ist. Genau das wird durch ein saisonales Watverbot erschwert.


Ausgerechnet Monate wie März, April und Oktober können davon betroffen sein.

Das sind Zeiträume, in denen das Centrepinangeln ausgesprochen interessant sein kann.

Eine mögliche Lösung ist eine lange Bologneserute von sechs bis acht Metern.

Mit ihr lassen sich weiter entfernte Strömungslinien erreichen, obwohl der Angler am Ufer bleibt. In einem meiner Videos habe ich diese Variante ausführlicher gezeigt.

Dauerhaft möchte ich eine solche Rute allerdings nicht über den gesamten Tag aktiv führen. Das Gewicht und der Hebel fordern ihren Tribut. Mit eingeplanten Pausen, in denen gefüttert, beobachtet oder selbst etwas gegessen wird, kann sie dennoch eine wertvolle Ausweichmöglichkeit sein.


Die zweite Lösung besteht in einer angepassten Stellenwahl.

Buhnenköpfe ermöglichen den Zugang zur Hauptströmung. Innenkurven können Rinnen nah ans Ufer drücken. Außenkurven bieten häufig tieferes Wasser in Reichweite. Begehbare Bauwerke, alte Brückenbereiche und ufernahe Strömungskanten können ebenfalls sinnvoll sein.


Watverbot bedeutet deshalb nicht automatisch Centrepinverbot. Es verlangt lediglich, die Geometrie des Flusses anders zu lesen.


Ausführliches Video zum Umgang mit dem Watverbot

Futterstrategie beim Angeln mit der Centrepin

Ich versuche grundsätzlich, mit so wenig Futter wie möglich auszukommen.

Wenig bedeutet dabei nicht minderwertig. Im Gegenteil. Je kleiner die Menge, desto wichtiger wird ihre Qualität.


Im Fluss kann der Bedarf trotzdem deutlich höher sein als im Stillwasser. Ein großer Teil des eingebrachten Futters bleibt nicht am Platz, sondern wandert. Genau diese Bewegung kann genutzt werden, um verstreute Fische auf eine kontrollierbare Linie zu stellen.


Eine Futterspur entsteht nicht durch einen einmaligen großen Eintrag. Sie lebt von Regelmäßigkeit. Beim Trotting bringe ich in vielen Situationen alle fünf bis zehn Minuten eine kleine Portion ein. Hakenköder und Futter müssen möglichst denselben Weg nehmen. Werden Maden zwei Meter links gefüttert, während die Pose rechts davon läuft, beangle ich nicht die aufgebaute Spur.


Stehen die Fische bereits konzentriert an einer Engstelle, hinter einer Kante oder in einer klaren Rinne, verzichte ich teilweise vollständig auf Grundfutter. Einige lose Maden oder kleine Mengen Dosenmais reichen dann aus.


Größere Futtermengen von zehn Kilogramm und mehr sind möglich, bleiben in meiner Angelei aber die Ausnahme. Im Herbst kann es sinnvoll sein, umherziehende Schwärme tatsächlich zu stoppen. Eine solche Fütterung muss jedoch zum Gewässer, Fischbestand und Wasserdurchfluss passen.


Bei feinem Grundfutter oder Paniermehl ergänze ich ungefähr dreißig Prozent schwere Erde, um die Mischung schneller zum Grund zu bringen. Früher wurde dafür häufig Maulwurfserde verwendet. Erde sollte jedoch nur dort entnommen werden, wo dies erlaubt ist und weder Fläche noch Tierbau beschädigt werden. Fertige Angelerde ist die unkompliziertere Alternative. Kleine Flusskiesel können die Masse ebenfalls beschweren, verteilen das Futter für mich aber weniger gleichmäßig.


Die Zusammensetzung richtet sich nach dem Zielfisch.

Erwarte ich viele Barben, darf mehr auffindbare Nahrung wie Partikel enthalten sein. Geht es um Rotaugen und kleinere Schwarmfische, arbeite ich stärker mit Wolkenbildung und einem höheren Madenanteil.


Die Futterspur ist keine starre Rezeptur. Sie ist eine Antwort auf Strömung, Fischbestand und Verhalten.


  • Anlegen einer Futterspur


Barbenangeln mit der Centrepin

Die Barbe ist mein Lieblingsfisch im Fließwasser. Kampfstark, athletisch und perfekt an ein Leben in der Strömung angepasst. Für mich ist sie die Königin des Flusses.

Ich finde aktive Barben ganzjährig in der Nähe stark strömender Bereiche.

Im Winter und im zeitigen Frühjahr stehen sie häufiger neben dem härtesten Druck.

Mit steigenden Wassertemperaturen rücken fressende Fische zunehmend in die Rinnen, Engstellen und schnelleren Zonen.


Ab ungefähr sieben Grad Wassertemperatur beginne ich, ihnen gezielt nachzustellen. Das ist kein fester biologischer Schalter, sondern ein Erfahrungswert aus meinen Gewässern. Während im See noch wenig passiert, kann der Fluss bereits deutlich aufleben.


Im späten Frühjahr und Sommer suche ich die schnellsten sinnvoll befischbaren Abschnitte auf. Dort stehen nicht immer die größten Barben, häufig aber sehr aktive Fische aus dem mittleren Größenbereich. Sie liefern harte Fluchten, nutzen jeden Meter Strömung und springen mitunter sogar.


Hat man sich durch einen solchen Trupp gefischt, folgt manchmal ein deutlich schwererer Schlussfisch. Diese größeren Barben stehen nach meiner Beobachtung häufig etwas hinter den jüngeren, aktiveren Tieren.

Der Biss kann beinahe wie ein Hänger wirken. Mehr als einmal dauerte es viele Sekunden, bis ich die erste eindeutige Bewegung des Fisches bemerkte.

Zunächst beginne ich, mit lockeren Bewegungen in die Rute zu schlagen, als würde ich ein festgesetztes Blei lösen. Erst mit zunehmendem Druck löst sich der vermeintliche Hänger und das Spektakel beginnt.


Diese Beobachtung ist interessant, erlaubt aber keine sichere Aussage darüber, wie Fische einen Hakenreiz wahrnehmen. Dass eine Barbe zunächst kaum reagiert, beweist weder Schmerzfreiheit noch Schmerzempfinden. Verhalten allein lässt sich dafür zu unterschiedlich interpretieren. Für den Angler zeigt es vor allem, wie wenig eindeutig ein Biss manchmal sein kann.


Ich fange Barben sowohl mit der Pose als auch mit dem Rollblei. Im Frühjahr und Herbst arbeite ich häufiger mit Futterspuren. In den übrigen Jahreszeiten genügen an vielen Tagen einige Maden.


Ein bewegter, natürlich abtreibender Köder hat in meinen Aufzeichnungen deutlich schneller und häufiger Fisch gebracht als eine vollständig ruhende Montage. Das gilt für meine Flusssysteme und ist keine unumstößliche Regel. Eine sauber abgelegte Grundmontage fängt ebenfalls. Der aktive Stil liefert mir jedoch genau das Erlebnis und die Kontrolle, die ich suche.


Den Haken binde ich häufig direkt an die Hauptschnur. Dadurch entfallen zusätzliche Knoten und Verbindungsstellen. Der Hakenknoten bleibt als definierter Schwachpunkt erhalten. Außerdem verwende ich gern dünndrahtige, aber hochwertige Haken.

Nicht weil diese grundsätzlich besser greifen, sondern als letzte Sicherung. Gerät die Montage in eine Situation, die nicht mehr kontrolliert werden kann, ist mir ein aufbiegender Haken lieber als ein Fisch, der mit einer längeren Schnur und Montage abzieht.


Fischsicherheit kommt vor Stilfrage.


Barben Angeln mit der Centrepin
Wohlgenährte Wildwasserbarbe

Döbelangeln mit der Centrepin

Der Döbel ist ein echter Dickkopf und trägt diese Beschreibung nicht ohne Grund. Mit zunehmendem Alter werden viele Fische vorsichtiger. Große Döbel stehen häufig in kleinen Gruppen und beobachten genau, was in ihrer Umgebung passiert.

Wird ein Fisch gefangen, kann der Rest des Trupps für längere Zeit verschwinden. Mit Ruhe, angepasster Präsentation und einem Wechsel der Driftlinie ist es trotzdem möglich, mehrere Fische zu überlisten.


Döbel sind ausgesprochen anpassungsfähig. Ich finde sie in kräftiger Strömung, in ruhigen Uferbereichen, unter Ästen, hinter Bauwerken und besonders häufig an Kehrströmungen.


Eine Kehrströmung bietet mehrere Vorteile. Sie spart Energie, sammelt Nahrung und gibt dem Fisch Zeit, einen Happen vor der Aufnahme zu prüfen. Genau diese Prüfphase macht große Döbel so interessant und manchmal so frustrierend.

Ihre Köderpalette ist entsprechend breit. Maden, Brot, Würmer, Mais, Früchte, Insekten und viele andere natürliche Angebote können funktionieren. Die Präsentation reicht von der tief geführten Pose bis zur freien Leine an der Oberfläche.


Im Drill schlagen Döbel zunächst kräftig aus, besitzen aber nicht die Ausdauer einer Barbe. Ist die erste Flucht überstanden, lassen sie sich häufig vergleichsweise kontrolliert führen.


Gerade weil der Döbel so genau hinsieht, profitiert die Angelei von der direkten Schnurkontrolle der Centrepin. Kleine Veränderungen der Drift können darüber entscheiden, ob der Fisch den Köder ignoriert oder nimmt.


Angeln auf Döbel mit der Centrepin
Dickkopf vom ende einer kleinen Futterspur

Nase und Zährte mit der Centrepin


Die Präsentation ähnelt grundsätzlich dem Barbenangeln, fällt aber deutlich dezenter aus. Häufig verwende ich nur eine einzige Made. Besonders in warmen Monaten kann ein Minimum an Köder das Maximum an Natürlichkeit erzeugen.

Die Bisse können sehr fein ausfallen. Eine Pose bleibt lediglich kurz stehen, hebt sich leicht oder läuft wenige Zentimeter aus der Spur. Genau hier zeigt sich der Vorteil einer sensiblen Rute und einer kontrollierten Drift.


Besonders eindrucksvoll sind die Fische in der Laichzeit. Je nach Art und Geschlecht entstehen dunkle, orangefarbene oder rötliche Zeichnungen, die beinahe an einen Zierfisch erinnern können.


Große Zährten beziehungsweise Rußnasen von mehr als fünfzig Zentimetern liefern ernstzunehmende Drills. Ihre Kondition liegt nach meinem Empfinden deutlich über der eines Döbels, erreicht aber nicht ganz die Ausdauer einer kräftigen Barbe.


Angeln auf Nase mit der Centrepin
Wunderschöne Nase im Laichkleid. Dropshot-Nymphing ist ebenfalls sehr effektiv.

Karpfenangeln mit der Centrepin im Fluss

Beim Karpfenangeln muss zwischen Fluss und Stillwasser unterschieden werden.

Im Fluss finde ich Karpfen häufig in Bereichen, die auch große Döbel mögen. Kehrwasser, ruhigere Taschen hinter Hindernissen, tiefe Rinnen neben der Hauptströmung und strömungsberuhigte Uferzonen sind typische Ausgangspunkte.

Ein klassischer Flusskarpfen ist für mich ein lang gewachsener, kräftiger Schuppenkarpfen. Fische ab zwanzig Pfund können in der Strömung zu echten Raketen werden.


Wer ihnen mit der Centrepin nachstellt, braucht genügend Schnur auf der Rolle und eine Tragkraft, die zur maximal zu erwartenden Belastung passt. Eine Rolle ohne klassische Bremse ist kein Grund, leichtsinnig zu werden.


Die Präsentation kann ähnlich vielfältig ausfallen wie beim Döbel. Pose, freie Leine, Brot an der Oberfläche oder Rollblei sind möglich. In einem ruhigen Kehrwasser lässt sich mit einem etwas schwereren Rollblei sogar ein kurzer Ansitz umsetzen.

Ob der Köder direkt am Haken sitzt oder über ein Haar angeboten wird, richtet sich nach Situation und Nahrung.

Wer einmal einen kräftigen Flusskarpfen mit der Hand auf der Spule kontrolliert hat, wird die Methode nur schwer wieder vergessen.


Flusskarpfen mit der Centrepin
Flusskarpfen im Drill

Karpfenangeln mit der Centrepin im Stillwasser

Im Stillwasser eröffnet sich ein deutlich breiteres Feld. Über Standortwahl und Karpfenverhalten könnten eigene Bücher geschrieben werden. Deshalb konzentriere ich mich hier auf die Methoden, die ich selbst am liebsten nutze.


Das klassische Posenangeln an Uferkanten steht weit oben. Ein kleiner Futterplatz an einer Kante, ausreichend Raum für den Drill und eine fein abgestimmte Pose können eine ausgesprochen intensive Angelei ermöglichen.

Je feiner die Montage unter den gegebenen Sicherheitsbedingungen ausfallen kann, desto höher sind häufig meine Chancen und der Spaßfaktor.


Im Sommer fische ich außerdem gern mit freier Leine vor Seerosen oder Totholz. Dabei bleibe ich unmittelbar an der Rute. Eine solche Angelei funktioniert nur, wenn Gerät, Schnur und Platz ausreichend Reserven bieten.


Komfortabler wird es mit Selbsthakmontage oder Method Feeder. Die Centrepin kann dabei auf einem Rodpod liegen und zusammen mit elektronischen Bissanzeigern verwendet werden. Genau diese Kombination sorgt regelmäßig für die Frage, warum eine Fliegenrolle auf einem Karpfensetup sitzt.

Ich habe mich selbst noch nicht vollständig an den Anblick eines kompletten Rodpods mit Centrepinrollen gewöhnt.

Aber es bockt!


Mit der Centrepin auf Karpfen
Heli-Rig an der Centrepin im zeitigen Frühjahr

Centrepin, Futterboot und mittlere Distanzen

In Verbindung mit einem Futterboot entfallen große Wurfdistanzen. Die Montage wird kontrolliert abgelegt, während ich von direktem Fischkontakt, weniger konstruktionsbedingtem Schnurdrall und einem deutlich kompakteren Setup profitiere.


Wuchtige 14.000er Big Pit Rollen können in diesen Situationen zu Hause bleiben.

An Gewässern mit Futterbootverbot verwende ich Wenderollen. Mittlere Distanzen sind damit erreichbar und Würfe bis etwa sechzig Meter in meiner Praxis zumindest möglich. Das erfordert Übung und eine freie Wurfbahn, zeigt aber deutlich, dass Centrepinangeln nicht automatisch auf die Rutenspitze begrenzt ist.


Mit der Centrepin auf Karpfen Angeln
Tradition trifft moderne



Hook and Hold mit der Centrepin

Eine häufige Kritik lautet, dass eine Rolle ohne klassische Bremse nicht für das Angeln vor Hindernissen geeignet sei.

Im unveränderten Zustand kann diese Kritik berechtigt sein. Eine frei laufende Spule bietet einem Fisch beim ersten Antritt zu viel Raum, wenn unmittelbar hinter der Montage Totholz oder dichtes Kraut wartet.


Ich habe deshalb mehrere Rollen umgebaut und ein eigenes Hook and Hold System entwickelt. Die Spule kann für den Ansitz blockiert werden. Eine kleine Bewegung des Rollenkörpers entgegen der normalen Spulenabwicklung gibt sie wieder frei, sodass anschließend wie mit einer normalen Centrepin gedrillt werden kann.


Beim ersten Ansitz mit diesem System kam direkt ein kräftiger Gegenspieler ans Band. Ohne geschlossene Rolle hätte ich die Montage unter den Büschen nicht verantwortungsvoll ablegen können.


Ein solcher Umbau muss sorgfältig geprüft werden. Er darf nicht ungewollt lösen, die Spule beschädigen oder eine Situation erzeugen, in der der Fisch ohne Kontrolle festgehalten wird. Vor dem Einsatz teste ich deshalb Funktion, Auslösekraft, Schnur und Rute mehrfach außerhalb einer realen Angelsituation.


Tradition besitzt ihre Berechtigung. Sie darf aber sinnvoll weiterentwickelt werden, wenn dadurch neue Einsatzbereiche erschlossen und die Fischsicherheit verbessert werden.


Centrepin Rollenumbau
Der erste Prototyp für Hook & Hold
Mit der Centrepin auf Großkarpfen
So sieht er aus, der erste Testkandidat

Salmonidenangeln mit der Centrepin

Auch Forellen, Saiblinge, Lachse und andere Salmoniden lassen sich erfolgreich mit der Centrepin befischen.

In Kanada und den USA besitzt das Centerpin Fishing auf Steelhead und andere Salmoniden eine eigene Tradition. In Europa kann die Methode an Flüssen ohne reine Fliegenfischregel ebenfalls ausgesprochen spannend sein.


Nicht jeder Salmonide muss mit der Fliegenrute gefangen werden. Verstößt das gegen irgendeinen unausgesprochenen Codex? Mag sein. Für solche Abweichungen bin ich aber inzwischen bekannt.


Eine große Salmonide allein über Handdruck auf der Spule zu kontrollieren, ist allerdings kein sinnvoller Einstieg in die Methode. Eine Barbe marschiert bereits ordentlich. Ein großer Lachs, Huchen oder kräftiger Steelhead spielt noch einmal in einer anderen Liga.


Ich selbst nutze die Centrepin gern zum aktiven Pirschen auf Forellen. Häufig kommt dabei das Rollblei dabei zum Einsatz. Ich suche vermutete Standplätze und lasse den Köder kontrolliert durch den Bereich treiben.

Im Video „Masterclass Centrepin“ ist diese Vorgehensweise ausführlicher zu sehen.


Manche Forellen stehen wie Geister unter Döbeln oder an Stellen, die zunächst keinen Fisch erkennen lassen. Beim gezielten Döbelangeln kam mehr als einmal eine Forelle zuerst an den Köder.


Durch den hohen Fraßdruck von Kormoranen sind Salmoniden in einigen meiner Gewässer seltener geworden. Das ist natürlich eine lokale Beobachtung und keine pauschale Erklärung für jede Bestandsentwicklung, jedoch hört man inzwischen häufiger davon. In geeigneten Gewässern des hohen Nordens würde ich diese Zielfische mit der Centrepin auf jeden Fall näher betrachten!


Die richtige Schnur für die Centrepinrolle

Bei der Centrepin gibt es keinen Spulenhub und keine automatische Schnurverlegung. Die Schnur muss von Hand auf der Spule verteilt werden.

Besonders unter höherem Druck ist eine gelegentliche Kreuzwicklung wichtig. Wird die Schnur nur Lage für Lage exakt übereinander gelegt, kann sie sich in die darunterliegenden Wicklungen einschneiden. Die Spule blockiert dann im Drill, bei der nächsten Drift oder während eines Wurfs.


Anfangs denkt man bewusst an die Schnurverlegung. Nach kurzer Zeit wird sie zum Automatismus. Ich lege inzwischen nicht mehr permanent eine perfekte Kreuzwicklung. Die Schnur wird während des Einholens von links nach rechts und wieder zurückgeführt. In regelmäßigen Abständen setze ich bewusst überkreuzende Lagen. Das reicht aus, um ein Einschneiden zuverlässig zu verhindern.

Auch unter Druck ist das möglich. In dem Moment, in dem der Fisch auf mich zukommt oder der Zug kurz nachlässt, wird Schnur aufgenommen und sauber verteilt.


Dünne Schnur beim Centrepin Trotting

Im Fluss wähle ich die Hauptschnur grundsätzlich so dünn wie sicher möglich. Eine dünnere Schnur bietet weniger Angriffsfläche für Strömung und Wind. Die Pose lässt sich natürlicher führen und wird weniger von einem starken Schnurbogen beschleunigt.


Die Grenze bestimmt jedoch nicht die Eleganz der Präsentation, sondern der größte realistisch anzutreffende Fisch und die Struktur des Gewässers.

Gleiche Durchmesser können je nach Hersteller unterschiedliche Tragkräfte und Dehnungswerte besitzen. Die aufgedruckte Tragkraft allein darf trotzdem nicht das einzige Kriterium sein. Knotenfestigkeit, Abrieb, Alterung und tatsächlicher Durchmesser spielen ebenfalls eine Rolle.


Dehnbare oder steife Schnur für die Centrepin

Eine kräftige, schnelle Rute kann von einer etwas weicheren und dehnbareren Monofilschnur profitieren. Die Schnur übernimmt einen Teil der Pufferung.

Bei meiner stark parabolischen Rute kann ich dagegen steifere Schnüre einsetzen. Die Rute fängt einen großen Teil der Belastung ab und die geringe Dehnung verbessert beim Rollblei die Übertragung.


Für das Trotting ist eine schwimmende oder neutral arbeitende Monofilschnur meist leichter zu kontrollieren. Eine stark sinkende Schnur kann an der Oberfläche Zug auf die Pose ausüben und Korrekturen erschweren.


Beim Rollblei kann genau diese sinkende Eigenschaft von Vorteil sein. Deshalb nutze ich unter bestimmten Bedingungen durchgehendes Fluorocarbon. Es ist abriebfest, relativ steif und bietet in klarem Wasser eine unauffällige Präsentation. Durch das Weglassen zusätzlicher Knoten bleibt die Tragkraft des Systems weitgehend erhalten.


Fluorocarbon ist jedoch keine pauschale Centrepinlösung. Beim Posenangeln kann seine Dichte stören, und ein steifes Material passt nicht zu jeder Rutenaktion.


Centrepin Schnur für Karpfen

Beim Ansitz auf größere Karpfen verwende ich schnell sinkende Monofilschnüre, häufig um 0,35 Millimeter. Tragkraft, Abriebfestigkeit und Dehnung müssen zum Gewässer passen.


Da ich unterschiedliche Methoden mit denselben Rollenkörpern fische, habe ich mich für ein System entschieden, bei dem mehrere Spulen untereinander getauscht werden können. Ein klassisches Ersatzspulensystem wie bei Stationärrollen ist bei Centrepins selten. Die Spule ist ein aufwendiger und teurer Bestandteil der Rolle.

Mit kompatiblen Rollen kann ich trotzdem innerhalb kurzer Zeit zwischen einer feinen Flussschnur, einer steiferen Rollbleischnur und einer kräftigen Karpfenschnur wechseln.


Centrepin Rollen Serie
Untereinander kompatibel

Centrepin Rollentuning für Fluss und Karpfen

Viele Rollen von der Stange sind mir zu schlicht oder an den falschen Stellen zu günstig aufgebaut. Die Alternative wäre der Kauf sehr hochpreisiger Modelle. Ich habe mich häufig für einen dritten Weg entschieden und passe die Rollen selbst an.


Rollengriffe für die Centrepin

Die meisten Centrepins besitzen zwei Griffe, ähnlich einer Fliegenrolle. Häufig bestehen sie aus Kunststoff und fallen für meine Hände zu klein aus. Besonders beim Karpfenangeln möchte ich unter Druck etwas Vernünftiges greifen können.

Deshalb habe ich eigene Knäufe aus Edelstahl, Aluminium, Duplon, Kork, Messing und Acryl angefertigt. Teilweise kombiniere ich mehrere Materialien.


Am Fluss brauche ich andere Griffe als beim Ansitzangeln. Ein kleiner, leichter Knauf hält die rotierende Masse gering und eignet sich gut für feine Driften.

Beim Karpfenangeln darf der Griff größer und griffiger ausfallen.

Ergonomie, Material und Optik lassen sich so auf Rute, Rolle und Methode abstimmen.


Kugellager für die Centrepin

Die Kugellager vieler Rollen besitzen Standardmaße und können gegen hochwertige Industrielager ausgetauscht werden. Meine Rollen nutzen zwei Lager, wodurch die Belastung auf der Achse verteilt wird und die Spule auch nach harten Drills sauber laufen kann.


Ein teures Lager macht eine schlecht gefertigte Rolle nicht automatisch perfekt. Spulenbalance, Achse, Lagersitz und seitliches Spiel müssen ebenfalls stimmen.


Ratsche für die Centrepin

Beim Karpfenangeln verändere ich die Ratschenmechanik. Eine stärkere Metallfeder erhöht den nötigen Kraftaufwand, bevor die Spule anläuft.

Dadurch kann die Rute auf dem Rodpod liegen, ohne dass ein plötzlich beschleunigender Fisch sofort Schnur überschlagen lässt. Die Ratsche bleibt keine vollwertige Kampfbremse, kontrolliert aber den Start des Runs.


Optik und individuelle Centrepinrollen

Auch Oberflächen und Farben können verändert werden. Airbrush, neue Beschichtungen, gravierte Elemente und zum Rutenbau passende Materialien eröffnen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten.


Das ist nicht zwingend notwendig, um mehr Fische zu fangen. Es schafft jedoch ein Werkzeug, das sich nach der eigenen Angelei anfühlt.

Hoch lebe das Handwerk.



  • Centrepin Rolle passend zum Rutenbau
  • Angefetigte Griffe
  • Custom Griffe Centrepin Rolle
  • Custom Griffe
  • Bremssystem Centrepin
  • Feder straffen für Karpfen


Centrepin Pflege und Wartung

Meine Rollen landen regelmäßig im Wasser. Sie sind Arbeitsgerät und keine Vitrinenstücke. Genau deshalb brauchen sie eine einfache, aber konsequente Pflege.

Nach einem vollständigen Eintauchen spüle ich die Rolle mit sauberem Süßwasser ab, wenn Schlamm, Sand oder belastetes Wasser eingedrungen sein könnten. Anschließend wird sie geöffnet, soweit die Konstruktion dies vorsieht, und langsam bei Raumtemperatur getrocknet.


Starke Hitze, Heizung oder Druckluft sind keine gute Abkürzung. Wasser kann dadurch tiefer in Lager und Zwischenräume gedrückt werden, während Holz und Beschichtungen ungleichmäßig trocknen.


Echte Pin Achsen ölen

Eine klassische Achse benötigt nur einen sehr dünnen Film eines geeigneten, leichten Rollenöls. Zu viel Öl sammelt Schmutz. Zähes Fett kann den Anlaufwiderstand deutlich erhöhen und den freien Lauf zerstören.

Achse und Kontaktflächen werden zuerst gereinigt. Anschließend genügt meist ein kleiner Tropfen Öl.


Kugellager der Centrepin pflegen

Offene und wartbare Kugellager können sparsam mit dünnem Öl versorgt werden. Geschlossene Lager sollten nicht unnötig geöffnet oder mit ungeeigneten Mitteln geflutet werden.


Läuft ein Lager rau, macht Geräusche oder besitzt deutliches Spiel, wird es ausgetauscht. Ein defektes Lager lässt sich durch mehr Schmiermittel selten dauerhaft retten.


Ratsche und bewegliche Teile pflegen

Ratsche, Feder und Hebel werden auf Sand, Korrosion und Verschleiß kontrolliert. Hier darf ein sehr kleiner Anteil geeigneten Schmiermittels eingesetzt werden, ohne dass Öl auf Schnur oder Bremsflächen gelangt.


Schrauben, Griffe und Rollenfuß werden regelmäßig überprüft. Besonders nach harten Drills können sich kleine Bauteile lösen.


Holzrollen pflegen

Eine Centrepin aus Vollholz verlangt besondere Aufmerksamkeit. Sie sollte nach dem Einsatz langsam und vollständig trocknen. Dauerhafte Nässe kann Holz aufquellen, verziehen oder Risse in alten Oberflächen verursachen.


Je nach ursprünglicher Behandlung kann eine geeignete Wachs oder Ölpflege sinnvoll sein. Historische Rollen sollten dabei nicht mit aggressiven Lösemitteln oder modernen Lacken behandelt werden, ohne zu wissen, welche Oberfläche vorhanden ist. Bei einer wertvollen alten Rolle ist Zurückhaltung häufig die bessere Pflege.


Schnur und Spulenspalt kontrollieren

Nach jedem härteren Einsatz prüfe ich, ob Schnur zwischen Spule und Rahmen gelangt ist. Feine Monofile kann sich dort beschädigen, ohne dass es sofort sichtbar wird.


Die ersten Meter werden regelmäßig auf raue Stellen kontrolliert und bei Bedarf entfernt. Gerade beim Rollblei ist Abrieb ein wichtiger Faktor.

Eine gut gepflegte Centrepin benötigt wenig Aufwand. Vernachlässigt man sie jedoch dauerhaft, wird aus ihrer einfachen Mechanik kein Vorteil mehr.


Centrepin Rollenpflege
Nach dem reinigen sofort Fetten

Oldschool Centrepin oder moderne Rolle?

Eine alte Holzrolle besitzt ein Flair, das eine moderne CNC gefräste Centrepin kaum nachbilden kann. Das Knarren der Ratsche trägt wie der Brunftschrei eines Hirsches über den Angelplatz. Jede Unebenheit im Lauf, jede sichtbare Gebrauchsspur und jeder Griff erzählt von einer anderen Zeit.


Ich habe eine solche Rolle zusammen mit einer 14 Fuß langen Hohlglasrute aus den fünfziger Jahren an einem Fluss eingesetzt. Das Gerät war schwer, die Spitze etwas labberig und die Rolle lief nicht annähernd so frei wie meine modernen Modelle.

Trotzdem fing die Kombination Barbe, Döbel und Rußnase.

Die leicht verzögerte Holzspule ersparte mir sogar einen Teil der Daumenarbeit. Die Hohlglasrute besaß im unteren Drittel überraschend viel Reserve und führte auch kräftige Fische sicher aus der Strömung.


Das bedeutet nicht, dass altes Gerät moderner Technik überlegen wäre. Meine selbstgebauten Centrepinruten sind leichter, präziser und können feinere Schnüre deutlich sicherer bedienen. Moderne Rollen reagieren gleichmäßiger und verlangen weniger Kraft über einen langen Angeltag.


Das historische Gerät bietet dafür ein besonderes Erlebnis. Es entschleunigt, verlangt Anpassung und erinnert daran, dass erfolgreiche Methoden lange vor unserer heutigen Hightech existierten.


Wir haben das Centrepinangeln nicht neu erfunden.

Wir haben seine Werkzeuge verbessert.


Oldschoolfishing mit der Centrepin Rolle
Oldschool fetzt auch heute noch!

Häufige Fehler beim Angeln mit der Centrepin

Die meisten Probleme entstehen nicht, weil die Rolle ungeeignet ist. Sie entstehen, weil eine Stationärrollenlogik auf die Centrepin übertragen wird.

Ein häufiger Fehler ist eine zu schnelle Pose. Die Oberflächenströmung zieht die Pose voraus, während der Köder unnatürlich hinterherläuft. Hier muss verzögert und nicht noch mehr Schnur freigegeben werden.


Ebenso problematisch sind große Schnurbögen. Sie verhindern einen direkten Anhieb und verändern die Drift. Eine lange Rute, saubere Positionierung und rechtzeitige Korrekturen lösen mehr als eine noch teurere Rolle.

Viele Einsteiger wählen außerdem eine zu leichte Pose. Sie läuft zwar fein an, besitzt aber nicht genügend Stabilität für Strömungs- und Windeinfluss. Eine etwas kräftigere Pose lässt sich häufig deutlich kontrollierter fischen und präsentiert den Köder am Ende natürlicher.


Beim Rollblei wird oft zu viel Gewicht verwendet. Die Montage liegt fest und aus aktivem Angeln wird ein unbeabsichtigter Ansitz. Zu wenig Gewicht lässt den Köder dagegen unkontrolliert über den Grund rasen.

Auch unregelmäßiges Füttern zerstört eine aufgebaute Spur. Eine große Portion zu Beginn ersetzt keine kleinen, wiederkehrenden Einträge.


Der vielleicht gefährlichste Fehler ist übertriebene Feinheit. Dünne Schnur und kleine Haken können mehr Bisse bringen. Sie sind jedoch nur sinnvoll, wenn der größte mögliche Fisch weiterhin sicher kontrolliert werden kann.

Fischsicherheit kommt vor Stilfrage.


Ist die Centrepin nur etwas für Spezialisten?

Die Centrepin besitzt eine Lernkurve. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nur für jahrzehntelang erfahrene Spezialisten geeignet wäre. Das schönste am Angeln ist doch, dass es im Prinzip für jeden zugänglich ist. Es ist nie zu spät etwas neues zu beginnen.


Ein gleichmäßig fließender Flussabschnitt, eine gut sichtbare Stickpose und eine robuste Montage reichen für den Einstieg. Die ersten Driften werden nicht perfekt laufen. Die Schnur wird gelegentlich falsch liegen und die Pose manchmal schneller sein als geplant. Das ist normal und gehört zum Lernprozess dazu.

Genau darin liegt der Wert.


Die Rolle gibt unmittelbare Rückmeldung. Man erkennt, was eine kleine Berührung der Spule bewirkt. Nach einigen Stunden beginnen Hand, Rute und Pose dann zusammenzuarbeiten.


Wer sofort mit Wallis Cast, feinster Schnur und Wildwasser beginnt, macht sich den Einstieg unnötig schwer. Eine einfache Drift unter der Rutenspitze vermittelt mehr Verständnis als hundert theoretische Erklärungen.


Die Centrepin ist keine Abkürzung zum Fisch.

Sie ist eine Methode, die den Weg dorthin sichtbar macht und irgendwann deutlich effektiver.


Das Angeln mit der Centrepin im Pin Club

Die Centrepin bildet das Herzstück des Pin Clubs. Trotzdem ist der Pin Club kein Fanclub für eine Rolle.


Er steht für eine Art zu angeln, bei der das Gerät einem durchdachten Stil folgt. Tradition und moderne Technik dürfen nebeneinander existieren. Eine Holzrolle kann am Fluss arbeiten. Eine moderne Aluminiumrolle kann auf einem Karpfenrodpod liegen. Ein GPS gestütztes Futterboot kann eine Montage für eine Centrepinrute ablegen.


Darin liegt für mich kein Widerspruch.


Die Rolle entschleunigt den Kontakt. Das Futterboot verbessert die Präsentation. Die selbstgebaute Rute verbindet beide Welten. Entscheidend ist nicht, wie alt oder neu ein Werkzeug ist. Entscheidend ist, ob es die Aufgabe sinnvoll erfüllt.


Ein guter Angler wird nicht über den Preis seines Tackles definiert.

Er wird darüber definiert, wie er Wasser, Fisch und Situation versteht.

Die Centrepin stellt dieses Verständnis besonders deutlich auf die Probe. Sie nimmt die Arbeit nicht vollständig ab. Dafür gibt sie viel zurück. Eine kontrollierte Drift, ein Biss direkt in der Hand und ein Drill, bei dem kein Getriebe zwischen Fisch und Angler vermittelt.


Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Rolle nach so vielen Jahrzehnten weiterhin ihre Berechtigung besitzt?


Nicht aus Nostalgie.

Sondern weil sie funktioniert.


Bis bald am Wasser...


  • Karpfen im Drill
  • Hook and Hold mit der Centrepin Rolle
  • Karpfen aus den Seerosen
  • Nachwuchs der Königin des Flusses
  • Barbe aus der Rinne
  • Sommer Barbe
  • Herbst Barbe
  • Nachtangeln mit der Centrepin
  • Oldschool mit Holzrolle
  • Waldsee Schuppi
  • Im Winter mit der Centrepin
  • Baggersee Schuppi
  • Nase aus der Oldschool Session
  • Graskarpfen mit der Centrepin
  • Moderne trifft Tradition


Centrepin Masterclass


Im Video zeige ich die Centrepin nicht nur am trockenen Tisch, sondern dort, wo sie ihren Sinn entfaltet. In der Strömung, beim aktiven Führen des Köders und im direkten Kontakt mit unterschiedlichen Fischarten.


Häufige Fragen zum Angeln mit der Centrepin


Kann man mit einer Centrepinrolle werfen?

Ja. Kurze Pendelwürfe, seitlich bereitgelegte Schnur, der Wallis Cast und der Einsatz einer Wenderolle ermöglichen unterschiedliche Distanzen. Die Centrepin ersetzt jedoch keine Stationärrolle für dauerhaftes Longrange Angeln.


Welche Rute eignet sich für die Centrepin?

Für das Trotting sind Ruten zwischen ungefähr zwölf und vierzehn Fuß besonders geeignet. Matchruten und Floatruten mit sensibler Spitze, harmonischer Aktion und ausreichender Kraftreserve bieten einen guten Einstieg.


Welche Schnur eignet sich für das Centrepinangeln?

Die Schnur muss zur Methode passen. Für das Posenangeln eignet sich meist eine gut kontrollierbare Monofilschnur. Beim Rollblei kann eine steifere und abriebfestere Schnur Vorteile bieten. Für Karpfen kommen kräftigere, schnell sinkende Monofile infrage.


Wie wird ein Fisch ohne Rollenbremse gedrillt?

Der Widerstand wird mit Daumen, Fingern oder Handfläche direkt am Spulenrand erzeugt. Die Rute übernimmt einen wichtigen Teil der Pufferung. Der Druck muss gleichmäßig und der Schnurstärke entsprechend dosiert werden.


Kann man mit der Centrepin auf Karpfen angeln?

Ja. Die Centrepin kann beim Posenangeln, mit freier Leine, Method Feeder und Selbsthakmontagen eingesetzt werden. Schnur, Rute, Ratsche und Gewässer müssen jedoch zur Größe der Fische und zu vorhandenen Hindernissen passen.


Ist die Centrepin für Anfänger geeignet?

Ja, sofern der Einstieg an einem übersichtlichen Gewässerabschnitt erfolgt. Eine gut sichtbare Pose, gleichmäßige Strömung und eine robuste Montage erleichtern das Lernen und auch im Stillwasser finden sich perfekte Bedingungen für einen Einstieg. Ich empfehle im Stillwasser die Posenmontage angeboten an einer Ufenahe Kante. Mit etwas Futter kommst du zügig zum Erfolg.


Warum läuft meine Centrepin nicht frei ab?

Mögliche Ursachen sind verschmutzte Lager, eine falsch eingestellte Achse, zu zähes Schmiermittel, seitlicher Druck auf die Spule oder eine Pose mit zu wenig Zug. Vor einem Umbau sollte die Rolle gereinigt und korrekt eingestellt werden.


Was unterscheidet eine Centrepin von einer Fliegenrolle?

Beide Rollen können ähnlich aussehen. Die Centrepin ist jedoch auf einen möglichst freien Spulenlauf und die direkte Schnurabgabe beim Trotting ausgelegt. Viele Fliegenrollen besitzen stärkere und stufenlose Bremssysteme.

Sie sind für das Speichern und kontrollierte Abgeben von Fliegenschnur konstruiert. Der Rollendurchmesser einer Centrepin fällt in der Regel deutlich größer aus.

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